Raumakustik verbessern – Geräuschpegel minimieren

25. Oktober 2016 - 18:50
Jens Bestmann

Autor:   Jens Bestmann

Die Kombination aus technischen Lösungen und schalloptimierenden Elementen schafft ganzheitliches Wohlbefinden

Eine Redewendung besagt: „Das Teuerste ist gerade gut genug“ – das trifft jedoch nicht auf raumakustische Maßnahmen zu.

Bei unserer täglichen Beratung vor Ort treffen wir immer wieder auf Büroräume, die zu sehr einem Ausstellungsraum von Möbelherstellern gleichen und weit weg sind von Arbeitsplätzen, an denen alles stimmt, um sich im Job wohlzufühlen.

Dabei sind die Lösungsansätze, um einen optimalen Arbeitsplatz zu bieten und die Einflüsse von störendem Lärm zu berücksichtigen und zu verhindern, schnell erkennbar.

Die Aufgabe:

Ein Unternehmen plante, sich zu vergrößern und hatte dafür die 2. Etage im Gebäude übernommen. Hier sollten künftig 48 Menschen in einem offenen Großraumbüro arbeiten und telefonischen Kundensupport leisten.

Der Einzug schien einfach: Die Räumlichkeiten waren frisch renoviert und das Mobiliar schnell beschafft. Auf eine Beratung bei der Einrichtung wurde gänzlich verzichtet – es ging schließlich nur um ein paar Telefonarbeitsplätze! Stylish und offen sollte das neue Raumkonzept wirken.

Nach dem Einzug in die neuen Räumlichkeiten und der Inbetriebnahme des Callcenters stellte sich jedoch schnell heraus, dass die Akustik verbessert werden musste. Der Geräuschpegel war wesentlich höher als erwartet und den Mitarbeitern viel es schwer, sich auf die Telefongespräche zu konzentrieren. Gesprächsteilnehmer wiesen die Mitarbeiter sogar darauf hin, dass man jedes Wort aus dem Umfeld im Raum hören und verstehen konnte.

So lag es nahe, einen Headset-Experten einzuschalten, um Lösungsvorschläge mit neuen, abschirmenden Headsets für eine bessere Konzentration und mit speziellen Richtmikrofonen auszuarbeiten.

Die Analyse:

Die Geschäftsleitung sowie die Teamleiter des Unternehmens setzten einen gemeinsamen Termin mit unseren Beratern vor Ort an. Hier galt es, die Ist-Situation zu ermitteln und die Arbeitsabläufe und Bedürfnisse der Mitarbeiter genauer zu betrachten, denn bei allen eingesetzten Maßnahmen darf der Faktor Mensch nicht außer Acht gelassen werden.

Schnell wurde klar, dass wir hier allein mit Headsets keine akustischen Wunder vollbringen würden. Bei der Besichtigung des Raumes fielen folgende Dinge sofort ins Auge:

  • Die Arbeitsplätze hatten schallabsorbierende Trennwände, jedoch auch zusätzlich montierte Plexiglasscheiben, durch die der Sprechschall stark reflektiert wurde, was zu einer erhöhten Lautstärke führte.
  • Die glattgeputzte Gipsdecke und die kahlen Wände reflektierten den Schall ebenfalls enorm
  • Die Mitarbeiter beklagten sich darüber, dass man auch die Kollegen, die wesentlich weiter weg saßen, hören konnte.
  • Die zentral im Raum eingerichtete Kaffeestation mit Besprechungsinsel war zwar schön, wurde aber von den umliegend angesiedelten Mitarbeitern als störend empfunden.
  • Durch den Geräuschpegel im Raum sprachen die Mitarbeiter in den Telefonaten unüberhörbar laut, was die Gesamtlautstärke über den Arbeitstag nach und nach ansteigen ließ.
  • Eine Vielzahl von Mitarbeitern beklagte ein zu hohes Maß an erforderlicher Anstrengung, um sich gegen den Geräuschpegel zu behaupten.

Die Lösungen:

Wie schon der erste Eindruck bestätigte, war hier mehr nötig, als nur neue Headsets.

Vielmehr ging es darum, die richtige Balance an Maßnahmen zu finden, um den Störschall einzufangen und die Konzentrationsfähigkeit der Mitarbeiter zu erhöhen, ohne sie unter schweren, geschlossenen Headsetsystemen abzuschirmen.

Mit unserer Empfehlung, die akustische Optimierung des Raumes ganzheitlich zu planen, stießen wir bei der Geschäftsleitung zunächst auf Widerstand. Man hatte die Erfahrung mit Raumplanern gemacht, dass allein die Planung schon große  Budgets verschlungen hatte und  nach Umsetzung der Pläne noch wesentlich höhere Summen verschlungen waren, bei denen man sich im Ergebnis mehr erhofft hatte. Räume wurden quasi entkernt, unter akustischen Gesichtspunkten renoviert und mit neuen Möbeln versehen. Das Ergebnis ist zwar gut, aber eben nicht sehr gut – was man bei den Investitionen erwartet hätte.

So haben wir unser Konzept der Zusammenarbeit im Detail vorgestellt und erfuhren echte Kundenbegeisterung:

  1. Anhand der Raumpläne, den Detailkenntnissen aus der Besichtigung und durchgeführten Schallpegelmessungen arbeiteten wir ein Gestaltungskonzept aus, dass mit dem Einsatz von Headsets, unserer Sprachampel „VoiceCoach“, einem intelligent eingesetzten SoundMasking-System und mobilen Schallabsorberelementen sowohl technisch, als auch mechanisch zur Optimierung der Raumakustik betragen sollte. Im Detail bedeutete dies:
  • Rückbau der Plexiglasabtrennungen
  • Installation von Absorberelementen an der Gipsdecke
  • Installation von akustischen Wandbildern
  • Platzierung von aktiven Bassabsorbersäulen mit integriertem SoundMasking in den Arbeitsgruppen
  • Einsatz von Headsets mit variablen Ohrpolstergrößen und Richtmikrofonen
  • Einsatz der Sprachampel „VoiceCoach“ zur Selbstkontrolle der eigenen Stimmlautstärke während der Telefonate
  • Mobile Akustikelemente zur Schallminderung der Kaffeelounge
  1. Der erforderliche Aufwand für die Umsetzung des Konzeptes wurde in einem Angebot konkret beziffert.
  2. Bis zu diesem Punkt blieb unsere Arbeit für den Kunden kostenlos. Wir haben ihm angeboten, alle empfohlenen Maßnahmen auf Ihre Wirkung im Zusammenspiel direkt an den betroffenen Arbeitsplätzen zu testen.
  3. Für die Installation der Bemusterung in Teilbereichen des Raumes haben wir ein Angebot zur Deckung des Arbeitsaufwandes unterbreitet, mit der Option, bei Erteilung des Gesamtauftrags, zu verrechnen, was der Kunde sehr gerne angenommen hat.
  4. Unsere Empfehlungen haben im Test überzeugt und der Kunde hat uns mit der kompletten Durchführung beauftragt.

Das Fazit:

Eine optimale Raumakustik hängt immer von mehreren Faktoren ab, wobei der Mensch hierbei eine entscheidende Rolle einnimmt. Bauliche Anpassungen können ebenso wichtig sein, wie schallabsorbierende Elemente und technische Lösungen.

Unser Planungsziel lautet stets, einen möglichst hohen akustischen Komfort an den Arbeitsplätzen zu erreichen. Unsere Empfehlung an Sie: Testen Sie, bevor Sie investieren! Es ist eben nicht alles Gold, was glänzt!

 

Über den Autor:

Jens Bestmann, 1974 geboren in Hannover, verheiratet und Vater von drei Kindern, ist Inhaber von ProCom-Bestmann und zählt seit mehr als 20 Jahren zu den gefragtesten Headset-Experten Deutschlands. Als gelernter Büroinformationselektroniker machte er berufsbegleitend den Abschluss zum Betriebswirt. Mit der Spezialisierung auf professionelle Headsetlösungen führt er  erfolgreich sein bundesweit tätiges Unternehmen mit mehr als 20 Mitarbeitern. Jens Bestmann gilt als Innovator der Branche und etablierte mit seinem Team moderne Services, wie ein Online-Ankauf-Portal für Altheadsets und den Headset-Manager.

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